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Das kostenlose Bürosoftware-Paket OpenOffice (Windows / Mac) erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Seit der Version zwei braucht sich die OpenSource-Software auch nicht mehr vor dem kostenpflichtigen Platzhirschen Microsoft Office verstecken. Die Freeware hat Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Zeichenprogramm, Datenbankverwaltung, Formeleditor und ein Präsentationsprogramm an Bord. Unlängst bekam die Version OpenOffice.org 3 ihr erstes Update. Marketing Project Co-Lead Florian Effenberger gibt im Gespräch mit OnSoftware Einblicke einer Open-Source-Softwareschmiede.

OnSoftware: Wie viel Zeit benötigt man, um ein so umfangreiches Softwarepaket wie OpenOffice zu entwickeln?

Florian Effenberger: OpenOffice 2.0 erschien im Oktober 2005. Begonnen mit der Entwicklung der Software haben wir Mitte 2003. Mit der Veröffentlichung einer Version ist die Arbeit natürlich nicht beendet. Neben auftauchenden Bugs, die schnellstmöglich beseitigt werden müssen, kommen selbstverständlich auch immer weitere Features hinzu. Die Version 3.1 folgte rund ein halbes Jahr nach der Fertigstellung der 3.0. Das ist ungefähr der Rhythmus, den wir auch weiterhin beibehalten wollen. Allerdings gehen einzelne Entwicklungsstufen unterschiedlich vonstatten. So passiert es schon immer wieder, dass ein Projekt deutlich schneller als geplant voranschreitet, bei anderen Features jedoch unerwartete Schwierigkeiten auftauchen, und sich die Implementierung verzögert.

OnSoftware: Gab es bei der Entwicklung der neuen OpenOffice-Version Überraschungen, Schwierigkeiten oder Unvorhergesehenes?

Effenberger: Es dauerte ziemlich lange, die echte OpenOffice-Mac-Variante zu entwickeln. OpenOffice 2 lief zwar mit Hilfe von X11 stabil auf dem Betriebssystem OS X, sah aber so gar nicht nach Apple aus. Inzwischen ist unsere Software vollständig an die Aqua-Umgebung angepasst, was viel mehr Zeit als ursprünglich angenommen kostete. Das lag einerseits an der Vielzahl der neu zu programmierenden Elemente, zum anderen schlicht an der Tatsache, dass an dem Mac-Projekt weniger Leute beteiligt waren als bei der Windows-Variante.

OnSoftware: Wie konnte OpenOffice das Vertrauen der Anwender gewinnen? Schließlich erschien Microsoft Office lange Zeit übermächtig sowie unantastbar und nicht wenige Verbraucher waren der Ansicht, dass kostenlose Software nicht die Qualität von Kaufsoftware habe...

Effenberger: Die Wende kam mit OpenOffice 2.0. Bis dahin war es tatsächlich so, dass viele User eine kostenlose Software für unseriös hielten, oder dachten, das könne nicht wirklich funktionieren. Die Reaktionen nach der Veröffentlichung von OpenOffice.org 2.0 waren hingegen sehr positiv. Das trifft für Anwender und Fachpresse gleichermaßen zu. Immer mehr Leute wollten die Software einfach nur mal ausprobieren, und haben die Programme dann gleich auf dem Rechner belassen. So war die Erwartungshaltung bei OpenOffice 3.0 ungleich höher. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung wussten wir aufgrund der Reaktionen, dass unser Paket gut angenommen wurde.

OnSoftware: Welchen Marktanteil hat OpenOffice 3?

Effenberger: Das ist eine ganz, ganz schwer zu beantwortende Frage. Bei einem OpenSource-Browser wie Mozilla Firefox ist das noch recht eindeutig zu messen. Bei einer kostenlosen Office-Suite ist das schwierig bis unmöglich. Eine einmal heruntergeladene Datei kann von einem Systemadministrator auf 100 Rechnern installiert werden. Wir bieten zwar bei der Installation eine Anmeldung an, aber diese ist freiwillig und somit nicht repräsentativ. Letztes Jahr auf der CeBIT hatten wir am Stand Besuch von einer Bundesbehörde und wir erfuhren, dass dort auf 5.000 Rechnern OpenOffice läuft. Das wussten wir nicht. Traditionell sind wir im Mittelstand sehr stark vertreten und immer mehr Städte wie München oder Freiburg nutzen unsere Software. Was wir jedoch sicher wissen: Weltweit wurde OpenOffice.org über 100 Millionen Mal heruntergeladen.

OnSoftware: Wie wichtig sind pressewirksam verkündete Umstiege auf OpenSource-Software wie das Beispiel der Stadt München für OpenOffice? Schließlich haben Sie kein großes Budget für Werbung zur Verfügung.

Effenberger: Das hilft natürlich ungemein. Stadtverwaltungen nutzen schließlich nicht irgendwelchen Krempel, da müssen Programme schon Qualität mitbringen. Und wenn eine Stadt wie München einen solchen Schritt unternimmt, Vorträge hält und von den Erfahrungen berichtet, dann profitieren auch kleinere Städte und Gemeinden davon, die weder das Know-How noch die finanziellen Mittel haben, einen groß angelegten Umstieg zu bewerkstelligen.

OnSoftware: Zum Abschluss ein kleiner Blick in die Zukunft: Gibt es schon Planspiele, wie OpenOffice.org 4.0 aussehen könnte?

Effenberger: (lacht) Also soweit blicken wir noch nicht voraus. OpenOffice 4.0 ist noch überhaupt kein Thema. Jetzt haben wir erst einmal die 3.1 mit zahlreichen Verbesserungen veröffentlicht. Eines unserer Hauptziele für kommende Revisionen ist, die Benutzerführung zu verbessern und intuitiver zu gestalten. Dabei legen wir großen Wert auf das Feedback unserer Anwender.

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23/10/14
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